Ricky King 2000 - Das Interviewvon Karl-Heinz Villis |
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| Karl-Heinz Villis (KHV): Ricky, wenn ich Deine Schallplatten und CDs durchsehe, taucht von Anfang an bis zu Deinen heutigen aktuellen Veröffentlichungen immer wieder das Trio Gerd Köthe - Hans Lingenfelder - Roland Heck auf. Okay, Hans Lingenfelder ist, wie wir wissen, Dein "bürgerlicher" Name. Wie und wann kam dieses Trio zustande? | |||||
| Ricky King (RK): Gerd Köthe habe ich während meines Musikstudiums an der Musikhochschule kennengelernt, er studierte Saxophon. Wir haben dann in verschiedenen Gruppen zusammen gespielt, bis er zu den Hit-Kids ging. Ich stieg dort 1973 ein und der Leiter und Organist der Hit-Kids war Roland Heck. So ist unser Trio entstanden. Wir drei haben dann etwas später auch die Idee ausgearbeitet, unter einem Pseudonym (erst Cliff King, dann Ricky King) Gitarren-Instrumentals aufzunehmen. | |||||
| KHV: Sind Gerd Köthe und Roland Heck neben der Arbeit mit Ricky King auch noch anderweitig (ggfs. unter Pseudonymen) musikalisch aktiv? | |||||
| RK: Ja, sie sind erfolgreiche Produzenten in verschiedenen musikalischen Bereichen, z. B. Peter Hofmann, Ulrich Herkenhoff, dann auch mit Produktionen im TV-Bereich. | |||||
| KHV: Hast Du ein musikalisches Vorbild, wenn ja, wer ist es? | |||||
| RK: Mein erstes Idol war natürlich Elvis, dann die Gitarrengruppen Shadows, Spotnicks und Ventures. Während meines Musikstudiums lernte ich Julian Bream und Segovia schätzen. | |||||
| KHV: Hast Du einen/mehrere Lieblingsgitarristen /Musiker? | |||||
| RK: Ich mag und schätze viele Gitarristen: Hank Marvin für seinen klaren, sauberen Ton. Hendrix, dessen Spielweise für viele Gitarristen ein Muß war und ist. Ich mag die Art und Weise, wie Eric Clapton neue Ideen entwickelt und umsetzt. Im Country-Picking-Bereich schätze ich Albert Lee, den ich vor kurzem "live" gesehen habe und im Jazz-Bereich höre ich mir immer wieder Wes Montgomery an. | |||||
| KHV: Du hast klassische Gitarre gelernt und auch jahrelang in Clubs, bei Sessions usw. Unterhaltungs- und Tanz-Musik gemacht. Welche Art der Gitarrenmusik favorisiert der "private" Ricky King? Die elektrische oder mehr die spanische klassische? | |||||
| RK: Das ist unterschiedlich und hängt von meinen jeweiligen Stimmungen ab. Zum Relaxen und Entspannen mehr die klassische spanische Gitarrre und wenn es mal etwas härter zur Sache gehen soll, auch Leute wie Yngwie Malmsteen, Gary Moore und Steve Morse. | |||||
| KHV: Die nächste Frage ist ähnlich: favorisierst Du für Deine eigenen Aufnahmen mehr die Pop-Songs im (Ricky-King-) Gitarren-Sound auf der Stratocaster oder eher die akustischen Stücke wie z. B. auf Deiner CD "Traumland"? | |||||
| RK: Nun, die elektrische Strat ist "meine Stimme", mein zweites "Ich", die spanische Gitarre meine innere Liebe und mein Hobby. Auch das hängt von meinen jeweiligen persönlichen Stimmungen ab. | |||||
| KHV: Wie sah die Arbeit zu Deiner Zeit als Studiomusiker aus? | |||||
| RK: Wir, die Musiker, kamen ins Studio, bekamen die Noten und Arrangements und nahmen die Backingtracks und unsere jeweiligen Solos auf. Die Gesangsparts der jeweiligen Künstler kamen erst später dazu, die waren selten im Studio mit dabei. Ich habe damals für viele der deutschsprachigen Künstler gespielt, aber es ist hinterher schwer, das nachzuvollziehen, weil man im Studio selten weiß, was oder für wen man spielt oder wie der Titel mal genannt wird - es ist ja nur die reine musikalische Begleitung. | |||||
| KHV: Sammelst Du Gitarren? | |||||
| RK: Meine Sammlung umfaßt zur Zeit ca. 20 Instrumente, die ich in all den Jahren bekommen konnte. Es sind elektrische und akustische Gitarren, einige sind z. B. von Höfner direkt für mich gefertigt worden, dazu habe ich noch Banjo, Mandoline, Bouzouki und Balalaika. Ich hatte mal über 40 Gitarren, habe aber davon dann die Hälfte wieder verkauft. Ich bin der Meinung, daß gute Gitarren mit Liebe gespielt werden sollten und nicht irgendwo in einer Ecke herumstehen oder in irgendwelchen Sammlungen an der Wand hängen und verstauben sollten. So habe ich zum Beispiel dem Orchester-Gitarristen des Hessischen Rundfunks eine gute Gibson Les Paul Anniversary verkauft. | |||||
| KHV:
Deine Antwort erinnert mich an Eric Clapton, der im vergangenen Jahr 100 Gitarren aus seiner Sammlung für einen
wohltätigen Zweck versteigern ließ. Er sagte dazu, er wünschte sich, daß diese Gitarren mit Liebe
behandelt und gespielt werden, das schlimmste für ihn sei, wenn sie als Ausstellungsstücke bei irgendwelchen
Sammlern oder in irgendwelchen Museen an die Wand genagelt oder geschraubt würden. Das hätten sie nicht verdient.
Dein Sound auf der Stratocaster klingt oft sehr "shadows-lastig", aber doch irgendwie anders? |
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| RK: Klar, "Apache", Hank Marvin, und die Shadows haben mich natürlich stark beeinflußt und so etwas formt natürlich auch den eigenen Stil. Allerdings habe ich niemals versucht, Hank zu kopieren oder zu imitieren, obwohl ich die klare und melodische Spielweise Hank Marvins sehr liebe. Ich habe bei Produktionen mit reinen Gitarren-Hits - wie meine ersten LPs - immer auf eine ausgewogene Titel-Auswahl geachtet: Shadows, Spotnicks, Ventures, Tielmann Brothers usw. Durch meine Ausbildung, an der Musik-Hochschule habe ich gelernt, Melodie-Bögen zu bilden, ungefähr so, wie ein Sänger mit seiner Stimme arbeitet und sie unterschiedlich einsetzt. Meine Gitarre ist so etwas wie meine Stimme, mit der ich mich ausdrücke, der Rest, Background usw., ist variabel und austauschbar. Mal klassisch, mal rockig, mal so und mal so. Schließlich geht die musikalisch-technische Entwicklung auch weiter und man kann nicht dreißig oder vierzig Jahre lang immer den gleichen, einfachen sechziger-Jahre-Stil beibehalten - das ist doch langweilig. | |||||
| KHV: Bruce Welch von den "Shadows" sagte mal vor ein paar Jahren, daß die Musik heute von den Buchhaltern der Schallplattenfirmen bestimmt wird, die alles sofort in Gewinn und bare Münze ausrechnen und Marktforschungen betreiben, um die idealen Platten verkaufen zu können. Wie ist es bei Dir? Kannst Du bzw. könnt Ihr im Team die Lieder für Eure Produktionen selbständig auswählen und arrangieren oder gibt es seitens der Firmen bindende Vorgaben oder Aufträge? | |||||
| RK: Das ist bzw. war unterschiedlich. Als wir damals die ersten Riesenerfolge erzielten, ließ uns die Plattenfirma freie Hand bei unseren Produktionen, sie verkauften sich ja sehr gut. Wenn die Verkäufe nachlassen, bekommt man schon hier und da Vorschläge und Anregungen, wobei wir allerdings bei der Gestaltung der Songs überwiegend selbst entscheiden können, wie oder was wir machen. Auf der anderen Seite investieren die Firmen natürlich auch eine Menge Geld in derartige Produktionen, und sie wollen ja alle irgendwie wieder Gewinne machen. Wir machen da schon Kompromisse, sind aber keine Sklaven der Firmen. | |||||
| KHV: Eine Frage, die mir speziell auch von Deinen Fans aus dem Benelux-Raum gestellt worden ist: spielst Du gegenwärtig auch noch "live", d.h. gehst Du noch auf Tournee bzw. gibst Du einzelne Konzerte? | |||||
| RK: Ja, ich gebe noch "Live"-Konzerte und Galas, diese werden mir aber oft sehr kurzfristig angeboten. | |||||
| KHV: Bei "Live"-Auftritten: spielst Du mit einer festen eigenen Band, wechselnden Besetzungen oder zum Halbplayback? | |||||
| RK: Das ist von Auftritt zu Auftritt unterschiedlich. Bei großen Veranstaltungen mit vielen Künstlern spiele ich, auch aus zeitlichen Gründen, zum Playback oder zum Halbplayback (Mini-disc mit den Backing-Tracks). Bei größeren "Live"-Veranstaltungen mit unterschiedlichen Interpretenen gibt es meistens eine Begleit-Band für alle Künstler, die Band bekommt die Noten, es wird dann einmal kurz vorher geprobt und dann muß es klappen. Es sind eben alle Profis. Ich habe auch eine eigene Band, die mich bei Bedarf begeleitet, aber das ist seltener und ist auch eine finanzielle Frage (für den Veranstalter). | |||||
| KHV: Wenn Du neue Produktionen aufnimmst, arbeitest Du mit festen Musikern oder mit Session-Leuten zusammen? | |||||
| RK: Anfangs haben wir meistens mit Studio-Musikern gearbeitet, heute kommt ein großer Teil der Begleitung aus den Keyboards und Synthies. Wenn wir z. B. "echte" Streicher benötigten, haben wir Profi-Musiker aus Rundfunkorchestern verpflichtet. Das machen wir auch, wenn wir spezielle Instrumentalisten brauchen wie z.B. für Akkordeon, Flöte usw. | |||||
| KHV: Welche Instrumente (außer der/den Sologitarre/n) spielst Du bei Aufnahmen selbst? | |||||
| RK: Alle Gitarren, also Solo- und Background-Gitarren, bei Bedarf auch Bouzouki, Banjo usw. | |||||
| KHV: Habt Ihr ein eigenes (Heim-) Studio, in dem Ihr Deine Aufnahmen macht oder arbeitest Du in verschiedenen Studios? | |||||
| RK: Ich habe ein Heimstudio mit Computer, 8-track-recorder, 24-track-Mixer, in dem ich die Grundplaybacks und Demos anfertige, Drums programmiere usw. Mit den Demos gehe ich dann in Gerd und Roland’s Studio, es ist eine größeres professionelles Studio, dort werden die Stücke nach meinen Demos bis auf die Grundplaybacks meistens komplett neu eingespielt. Wir haben dort einen großen computergesteuerten Mixer, auf dem die Mischungen einprogrammiert werden, so muß man nicht bei jedem neuen Take die fertigen Spuren neu mixen. Größere Chor- und/oder Orchestertakes werden dann in ganz großen Studios aufgenommen. | |||||
| KHV: Auf Deiner 1996er CD Traumland hast Du alle Titel mit spanischer Akustikgitarre eingespielt. Welche Gitarre war das? Die Ramirez? | |||||
| RK: Ja, diese Titel spielte ich alle auf der Ramirez. Ihr Klang ist für diese Art der Musik wie geschaffen. | |||||
| KHV: Deine größten Hits waren Verde, Le Reve und Hale Hey Louise. Kannst Du auf Anhieb sagen, wie oft Du sie neu- bzw. wieder- aufgenommen hast? | |||||
| RK: Klar, Verde habe ich dreimal aufgenommen - für BASF (meine erste LP), dann für Polygram und vor ein paar Jahren noch einmal für Koch-Records. Le Reve auch dreimal Sony, Polygram und Koch, Louise zweimal - Sony und Koch. Verde und Le Reve habe ich, auf Wunsch meiner neuen Firma Deutsche Austrophon, noch einmal für die neue CD Happy Guitar eingespielt. | |||||
| KHV: Auf fast allen Platten- und CD-Covern sieht man Dich mit einer weißen Stratocaster. Ist dies eine echte Bühnengitarre oder nur so etwas wie ein ”Schau-Stück”, das nur für Fotos benutzt wird? | |||||
| RK: Es ist meine 1968er Stratocaster, die ich bei den meisten Aufnahmen benutzt habe und auch “live“ am liebsten spiele. Die 62er Strat habe ich aber immer als Reserve dabei, falls auf der 68er mal eine Saite reißt oder so. Ich habe die meisten Strat-Aufnahmen mit der 68er gemacht, manche, wie z.B. Hale Hey Louise, auf der 62er. | |||||
| KHV: Wie sehen Deine Pläne für das neue Jahrtausend aus? Gibt es neue CDs und wenn ja, welche Richtung? | |||||
| RK:
Wir machen jetzt eine Auftragsproduktion für “Readers Digest”, die man nur dort bekommen kann.
Es ist keine eigenständige Ricky-King-Produktion, die Aufnahmen werden auf verschiedene Sampler-CDs aufgesplittet.
Anschließend werden wir eine neue Ricky-King-CD aufnehmen, ich kann aber noch nicht sagen, was wir einspielen werden.
Diese neue CD wird bei der Firma “Deutsche Austrophon” erscheinen.
Anmerkung der Redaktion: Die neue CD Happy Guitar ist inzwischen erschienen. |
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| KHV: Eigentlich müßte man, da Du ja Mitte der siebziger Jahre als Ricky King begonnen hast, nun so etwas wie Dein Silber-Jubiläum feiern. Gibt es da schon irgendwelche Gedanken in dieser Richtung? | |||||
| RK: Nein, hier gibt es noch keine Pläne, aber das kann sich manchmal schnell ändern | |||||
| KHV: Okay, danke Ricky für dieses Interview und auch für Deine Mithilfe. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg für die Zukunft und ich freue mich, wenn wir mal wieder Kontakt miteinander haben. | |||||
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